Neuseeland

Elternzeit mal anders: Eine Weltreise mit Baby – unsere Reiseplanung

17. April 2019

In drei Wochen geht es endlich los – wir werden für fünf Monate in unserer Elternzeit mit Baby auf Weltreise gehen. Den Großteil der Zeit verbringen wir in Neuseeland, aber es gibt noch ein paar weitere interessante Zwischenstopps.

Den Gedanken, in der Elternzeit eine Weltreise zu machen und für längere Zeit nach Neuseeland zu gehen, hatten wir eigentlich schon bevor ich überhaupt schwanger war. Schon bei unserer letzten Neuseelandreise 2016 haben wir die vielen Eltern mit Baby bewundert und uns gedacht, „das machen wir auch mal, wenn wir Kinder haben“.

Die Reiseplanung beginnt

Kaum war die Kleine geboren, haben wir mit der Planung unserer Weltreise begonnen. Im neuseeländischen Sommer sollte sie natürlich sein – da passt es gut, dass unsere Tochter im Dezember geboren ist. So haben wir die für uns bestmögliche Elterngeldverteilung ausgetüftelt, verschiedene Berechnungen zum benötigten Budget in Abhängigkeit zur Reisedauer aufgestellt und schließlich ein Round-the-World Ticket gebucht, das uns nun fünf Monate in unserer Elternzeit unterwegs sein lässt.

Ich freue mich sehr darauf, dass wir diese Zeit zusammen als Familie verbringen können und ich mich dort nicht den Großteil des Tages alleine um unsere Tochter kümmern muss. Nach fast 9 Monaten fällt einem schon ab und zu die Decke auf den Kopf, wenn man immer wieder die selben Spazierwege abläuft um das Baby zum Schlafen zu bekommen und der Supermarktbesuch mal wieder das einzige Tageshighlight ist (mal überspitzt gesagt). Für die Kleine wird es toll sein, dass sie so viel Zeit mit ihrem Papa verbringen kann und auch für meinen Mann freue ich mich, dass er in der Zeit ein noch engeres Verhältnis zu seiner Tochter aufbauen kann.

Fazit
Viele Leute mit denen ich vor unserer Weltreise gesprochen habe, waren eher skeptisch, dass man so eine lange, weite Reise mit einem Baby machen kann. Ich bin froh, dass wir es gemacht haben, denn unsere Tochter war während dieser 5 Monate das fröhlichste Kind der Welt. Sie hat viel mehr gelacht als zu Hause und hat so viele neue Dinge entdeckt und gelernt, die sie zu Hause nicht gesehen hätte. Sie hat sich in Neuseeland wunderbar entwickelt und wir hatten eine tolle Zeit zusammen als Familie. Ich kann es nur jedem empfehlen, die Elternzeit zu nutzen um mit dem Baby zu reisen. So viel Zeit bekommt man nie mehr, noch dazu mit finanzieller Unterstützung.
 

Die Route unserer Weltreise mit Baby

Stopp 1
Wir fliegen von Frankfurt nach Los Angeles, wo wir einen Zwischenstopp von vier Tagen einlegen. Dort wollen wir uns von der ersten Reiseetappe erholen, übers Santa Monica Pier schlendern, Strawberry Lemonade schlürfen und ein bisschen im Outlet shoppen.

Stopp 2
Von L.A. geht es weiter auf die Cook Islands nach Rarotonga, mitten im Südpazifik. Hier werden wir 10 Tage in der Sonne liegen (bzw. im Schatten mit Baby) und die türkisblaue Lagune genießen, bevor wir dann weiter nach Auckland, Neuseeland fliegen.

In Neuseeland haben wir uns dazu entschieden, nicht die ganze Zeit zu reisen, sondern immer zwei bis vier Wochen an einem festen Ort zu bleiben und von dort Ausflüge in die Umgebung zu machen.

Stopp 3
Unsere erste Station ist die Whangaparaoa Halbinsel nördlich von Auckland. In diesen drei Wochen möchten wir uns ein Auto kaufen und die Region Auckland genauer erkunden. Außerdem möchte ich Warkworth und Umgebung ein paar Besuche abstatten. Dort habe ich zwei Monate gewohnt als ich 2004 das erste Mal in Neuseeland war.

Stopp 4
Wir fahren weiter in die Bay of Islands, wo wir vier Wochen verbringen werden. Dort oben gibt es einiges zu unternehmen und anzuschauen: Kauriwälder, den 90 Mile Beach, das Cape Reinga und die Bay of Islands selbst natürlich.

Stopp 5
Als nächstes folgt ein kleiner Abstecher über die Coromandel Halbinsel, bevor wir unser nächstes längeres Ziel – Rotorua – ansteuern. Drei Wochen lang wird uns der Schwefelduft, der über der Stadt hängt, in der Nase liegen. Auf diesen Stopp freue ich mich ganz besonders, denn es gibt in Rotorua so viel zu sehen und zu machen. Obwohl ich bei jedem Neuseelandbesuch für einige Tage dort war, fallen mir immer noch unglaublich viele Dinge ein, die ich in Rotorua und Umgebung unternehmen möchte.

Stopp 6
Kurz vor Weihnachten brechen wir in Rotorua unsere Zelte wieder ab um nach Napier weiterzureisen. Dort werden wir Weihnachten und Silvester verbringen und hoffen, dass es nicht so voll wird, denn ab hier haben auch die Kiwis Sommerferien. Außerdem möchte ich unbedingt einmal mit dem Traktor nach Cape Kidnappers fahren …

Stopp 7
Langsam machen wir uns über Wellington auf den Weg auf die Südinsel. Einige Tage verbringen wir in den Marlborough Sounds, dann lassen wir uns für knapp drei Wochen in der Nähe des Abel Tasman Nationalparks nieder.

Stopp 8
Im Februar werden wir zwei Wochen über die Südinsel reisen. Die Route steht noch nicht genau fest. Wahrscheinlich wird sie Kaikoura, Hanmer Springs, Lake Tekapo und Oamaru beinhalten. Unser letztes längeres Ziel ist die Banks Peninsula bei Christchurch. Dort wollen wir die Einsamkeit auf einer Alpacca Farm genießen und unser Auto wieder verkaufen.

Stopp 9
Mit einem viertägigen Zwischenstopp in Singapur treten wir nach fünf Monaten die Heimreise an.
 

Fazit
Die Route haben wir genauso durchgezogen wie geplant und sie war für uns einfach perfekt. Wir haben uns mit unserer Kleinen viel Zeit gelassen und haben so viele Dinge entdeckt, die wir auf einer gewöhnlichen Rundreise nicht gesehen hätten.
 

Die Unterkünfte

Nachdem wir beim letzten Mal Neuseeland mit dem Wohnmobil erkundet haben, werden wir uns dieses Mal Ferienwohnungen mieten und immer längere Zeit an einem Ort verbringen. Das erschien uns mit Baby sinnvoller. Mit der Kleinen können wir es uns nicht vorstellen, so lange in einem Wohnmobil zu leben. Ganz davon abgesehen, wäre auch die Miete dafür viel zu teuer.

Bei AirBnB haben wir viele tolle, gemütliche Wohnungen zu einem ziemlich günstigen Preis (50-70 Euro pro Nacht) gefunden. Der Vorteil ist, dass es bei den meisten Wohnungen Wochen- und Monatsrabatte gibt und man so für längere Zeit relativ günstig mieten kann. Meistens wohnen die Vermieter im gleichen Haus. Sie haben dann ein kleines Apartment, das sie an Reisende vermieten. Die Kiwis sind da einfach total gastfreundlich.

Fazit
Ich kann nur sagen, Neuseeland ist DAS Land um in AirBnB Wohnungen zu übernachten. Alle Wohnungen und Häuser (und das waren insgesamt 14 Stück) waren einsame Spitze. Check-in und Organisation haben überall wunderbar geklappt. Die Vermieter waren immer sehr nett, freundlich, offen und hilfsbereit. Besonders toll fand ich, dass in fast jeder Unterkunft Spielzeug für unsere Kleine vorhanden war und wir immer irgendein ganz besonderes Hightlight hatten (toller Blick, nah am See/Meer, schöner Garten etc.)


 

Das Auto

Wir werden ein ziemlich großes Auto brauchen mit unseren drei Koffern, Handgepäck, Babybett, Hochstuhl, Kinderwagen … Da es uns zu teuer ist, für knappe fünf Monate ein Auto zu mieten (ca. 9.000 Euro), wollen wir in Neuseeland ein Auto kaufen und es am Ende der Reise wieder verkaufen.

In Neuseeland ist der Autokauf vergleichsweise unkompliziert. Man benötigt keinen festen Wohnsitz, keinen neuseeländischen Führerschein und die Registrierung samt Nummernschildern wird einfach mit weiterverkauft. Eine Haftpflichtversicherung kann problemlos online abgeschlossen werden. Einzig der WOF (Warrant of Fitness = neuseeländischer TÜV) muss alle sechs Monate erneuert werden.

Selbst wenn wir das Auto zu einem relativ schlechten Preis wieder verkaufen können, haben wir lange nicht so viel Geld ausgegeben, wie wir bei einer Langzeitmiete bezahlt hätten. Dafür müssen wir aber das Risiko in Kauf nehmen, dass das Auto eventuell kaputt geht.

Fazit
Der Autokauf war super unkompliziert und wir haben schon nach ein paar Tagen ein passendes, günstiges Auto gefunden. Wir waren total zufrieden und hatten keinerlei Probleme damit. Ich würde in Neuseeland jederzeit wieder ein eigenes Auto kaufen. Lediglich der Verkauf hat uns etwas Probleme bereitet. In Christchurch wollte am Ende des Sommers einfach niemand ein Auto kaufen. So mussten wir es mit viel Verlust einem Händler überlassen. Daher würde ich beim nächsten Mal auf jeden Fall Auckland als Verkaufsort wählen und etwas mehr Zeit einplanen. Eine Woche war sehr knapp bemessen.

Das Geld aus dem Autoverkauf haben wir schließlich am Tag vor dem Rückflug in Euro umgetauscht und in bar zurück nach Deutschland mitgenommen. Das hatten wir uns vorher auch anders vorgestellt. Leider stellte sich vor Ort heraus, dass man wegen einem relativ neuen Geldwäschegesetz als Tourist kein Bankkonto mehr in Neuseeland eröffnen kann. Und da auch alle Geldtransferservices wie z.B. Western Union oder Money Gram zum Geldtransfer ein neuseeländisches Konto voraussetzen, blieb uns letztendlich nichts anderes übrig als auf Bargeld auszuweichen. Aber am Schluss hat ja dann doch alles noch gekappt – wenn auch mit Hindernissen.


 

Der Flug bzw. die Flüge

Kurz vorweg, es ist gar nicht so einfach mit einem Baby bzw. Kleinkind unter 2 Jahren zu fliegen! Bei der Anfrage nach Flügen im Reisebüro sind wir ganz schnell über die Frage gestolpert, wie wir unser Baby am besten im Flugzeug transportieren. Mein Gedanke war eigentlich, dass sie auf dem Hinflug ein Baby Bassinet bekommen soll und auf dem Rückflug dann einen eigenen Sitzplatz. Es stellte sich aber gleich heraus, dass das nicht möglich ist. Entweder Buchung als Baby mit Bassinet, dann gibt es keinen Sitzplatz oder Buchung als Kind, dann gibt es einen Sitzplatz aber kein Bassinet. Eine Mischung dieser Varianten ist nicht möglich bzw. viel zu teuer, da man dann One-Way-Tickets buchen muss.

Baby Bassinet
Um ein Baby Bassinet zu bekommen, muss das Kind für die komplette Reise als Baby gebucht und für die Eltern (kostenpflichtig) Plätze in der Bulkhead Reihe reserviert werden. Dann steht für das Baby kein eigener Sitzplatz zur Verfügung, dafür kann ein Bassinet dazu gebucht werden. Diese Variante ist relativ kostengünstig. Man bezahlt nur 10-20% des Erwachsenenpreises. Folgende Probleme müssen allerdings bei den Bassinets berücksichtigt werden:

  • jede Airline bietet die Bassinets in unterschiedlichen Größen an. Unsere Tochter z.B. würde auf dem Hinflug noch in das Bassinet von Lufthansa reinpassen, für das Bassinet der Air New Zealand wäre sie aber bereits zu groß bzw. zu schwer.
  • Bei Start und Landung sowie Tubulenzen während des Flugs muss das Baby aus dem Bassinet genommen und auf dem Schoß der Eltern angeschnallt werden, auch wenn es gerade schläft.

Eigener Sitzplatz mit Babyschale
Die Alternative ist, das Baby als Kind zu buchen. Dann bekommt es einen eigenen Sitzplatz, bezahlt ca. 80% des Erwachsenenpreises, aber kann dann leider kein Baby Bassinet bekommen.
Aber auch hier gibt es einige Probleme:

  • Es ist nicht erlaubt, Kinder unter 2 Jahren auf dem Flugzeugsitz zu transportieren. Entweder muss eine Babyschale fürs Auto auf den Sitz gestellt und das Kind darin angeschnallt werden, oder es muss ein zusätzlicher Sicherheitsgurt (CARES-Gurt) verwendet werden.
  • Diesen CARES-Gurt wiederum haben nicht alle Fluggesellschaften zugelassen. Lufthansa z.B. verbietet diesen auf ihren Flügen.
  • Die Babyschale muss eine Flugzeugzulassung haben und darf nicht breiter als 43cm sein. Fakt ist allerdings: alle Babyschalen auf dem Markt sind 44cm breit.

Unsere Lösung
Wir haben uns schließlich dafür entscheiden, unsere Tochter als Kind mit eigenem Sitzplatz zu buchen – trotz der höheren Kosten. Wir können es uns einfach nicht vorstellen, auf dem Rückflug ein 15 Monate altes Kind für 24 Stunden auf dem Schoß sitzen zu haben.

Wir werden unsere Babyschale mit ins Flugzeug nehmen und hoffen, dass wir sie auf dem Sitzplatz nutzen können – trotz der 44 statt 43 cm Breite. Außerdem wollen wir auf dem ersten Flug von Frankfurt nach Los Angeles mit Lufthansa versuchen, ob wir am Check-In doch noch ein Baby Bassinet ergattern können. Vielleicht sind ja nicht alle Bassinets ausgebucht und wir können solch einen Sitzplatz auch ohne vorherige Buchung bekommen. Für den Rückflug besorgen wir uns vorsichtshalber zusätzlich einen CARES-Gurt, falls die Babyschale bis dahin zu klein geworden ist.

Vor dem langen Flug mit Baby habe ich den allermeisten Respekt bei dieser Reise. Alle anderen Dinge sehe ich relativ entspannt.

Fazit
Als erstes vorweg: Jegliche Sorge um den langen Flug mit Baby war völlig unbegründet und hätte ich mir sparen können. Unsere Kleine war das Beste Reisebaby das man sich nur wünschen kann. Sie hat auf allen Flügen viel geschlafen und wenn sie wach war, ist sie fröhlich auf ihrem Sitz rumgeturnt und hatte viel Spaß.

Die Entscheidung einen eigenen Sitzplatz für unsere Tochter zu buchen, war die Beste die wir treffen konnten. So konnte sie jederzeit in ihrer Babyschale schlafen und wenn sie wach war, hatte sie Platz um sich zu bewegen. Auf dem Schoß hätte ich sie nicht mehrmals für 12 Stunden sitzen haben wollen. Dann wären die Flüge nicht so entspannt geworden. Die Investition hat sich wirklich gelohnt und kann ich jedem empfehlen, dessen Baby schon zu groß für ein Baby Bassinet ist.

Die Babyschale konnten wir auf allen Flügen benutzen. Auf einigen Flügen wurde sie ohne großes Nachfragen und Prüfen akzeptiert. Auf einem Flug mussten wir sehr viel diskutieren, weil die Airline uns die Benutzung untersagen wollte, obwohl die Schale eine Flugzeugzulassung hat. Schließlich durften wir sie dann während des Fluges benutzen und mussten unsere Tochter zu Start und Landung auf den Schoß nehmen. Auf einem Flug mussten wir auch wieder diskutieren, durften sie aber schließlich uneingeschränkt benutzen, nachdem die Chef-Stewardess sie mit mehreren Gurten am Sitz befestigt hat. Auf die Flugzeugzulassung der Babyschalen kann man sich nicht wirklich verlassen. Die Benutzung steht und fällt mit den Check-in Mitarbeitern und der Crew. Man darf sich nur nicht gleich unterkriegen lassen und muss gut argumentieren.

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