Costa Rica

An der Karibikküste Costa Ricas – Von Tortuguero bis zu den Bribri-Indianern

24. November 2011

Der Bus holpert und schaukelt schon seit über einer Stunde durch metertiefe Schlaglöcher. Ich bin überzeugt, dass wir demnächst umkippen werden und etwas flau im Magen ist es mir auch schon. Meine Mitreisenden sind auch alle etwas weiß um die Nase. Wo bin ich hier nur hinein geraten?

Schließlich kommen wir aber unbeschadet an den Kanälen des Tortuguero Nationalparks im Nord-Osten Costa Ricas an. Der Park ist komplett autofrei, man kann sich hier nur per Boot fortbewegen. Und so steigen wir in La Pavona in ein kleines Boot um, das uns in einer einstündigen Fahrt über die Kanäle und Flüsse des Nationalparks, mitten durch den Dschungel, zu unserer Unterkunft bringt.

Das Örtchen Tortuguero

Auf dem Weg dorthin machen wir einen kurzen Zwischenstopp im Örtchen Tortuguero, der einzigen Siedlung im Nationalpark. Sie hat eine einzigartige Lage auf einer schmalen Landzunge, direkt zwischen dem größten Kanal des Nationalparks und dem karibischen Meer. Auch nach Tortuguero kommt man nur mit dem Boot oder einem kleinem Flugzeug. Hier herrscht eine entspannte „End of the World“-Atmosphäre mit netten Cafés, kleinen Shops, gemütlichen Unterkünften und vielen bunt bemalten Häusern. In der Hochsaison kann es allerdings richtig voll werden.

Die Turtle Beach Lodge liegt etwas abseits von Tortuguero im tiefsten Regenwald, ganz einsam direkt am karibischen Meer. Es gibt einen schildkrötenförmigen Pool, eine nette Bar, gemütliche kleine Holzhütten und ein Volleyballnetz am Strand. Total süß das alles.

Auf den Kanälen des Tortuguero Nationalparks

Am nächsten Morgen starten wir pünktlich zum Sonnenaufgang um 5:15 Uhr mit dem Boot durch den Nationalpark um Tiere zu beobachten. Es ist noch ganz still auf den Kanälen, das Leben erwacht gerade erst an diesem klaren Morgen. Ich genieße es, wie mir die sanfte Morgenbrise um die Nase weht.

Doch schon nach kurzer Fahrt turnen über uns die Kapuziner- und Brüllaffen (die man übrigens auch in der Nacht die ganze Zeit brüllen hört), Tukane fliegen umher und Schildkröten und Krokodile tauchen neben unserm Boot. Es ist wunderschön, den Tieren und der Natur so nahe so sein, komplett abseits der Zivilisation. Und auch die Vegetation ist einfach der Hammer. Was hier alles für tolle Pflanzen wachsen, mit tollen Blüten und üppigem Grün. Es ist wirklich der tiefste Dschungel hier. So einen dichten Regenwald habe ich noch nie gesehen.

Auf zu den Bribri-Indianern

Nach zwei Tagen in Tortuguero kehren wir für ein paar Stunden in die Zivilisation zurück, um uns auf den Weg in den Süden des Landes, ins Bribi-Indianer Dorf Yorkin, direkt an der Grenze zu Panama zu machen.

Am Grenzfluss Sixaola angekommen, warten unsere Gastgeber schon mit Einbaum-Kanus auf uns. Vorne im Kanu ein Bribi zum Stochern, hinten am Motor ein Bribri zum Lenken, fahren wir 1,5 Stunden flussaufwärts. Der Fluss hat zum Teil ziemlich starke Stromschnellen, aber manchmal ist er auch so flach, dass die Indianer aussteigen müssen, um uns ein paar Meter weit zu schieben.

Schließlich erreichen wir eine Anlegestelle und nach einem 15-minütigen Fußmarsch durch den Regenwald auch endlich unsere Unterkunft – ein palmengedecktes Holzhaus mit einigen kleinen Zimmern, die sogar süße kleine Bäder mit (kalten) Open-Air Duschen haben. Total schnuckelig.

Als erstes werden wir von unseren Gastgebern mit Gummistiefeln eingedeckt, mit denen wir die nächsten Tage durch den Matsch stapfen können. Ich muss ehrlich sagen, die sind hier auch wirklich nötig. Um sich im Dorf fortzubewegen gibt es nur kleine Trampelpfade, die vom vielen Regen ganz aufgeweicht sind. Zum Teil sinkt man hier knöcheltief in den Matsch ein.

Kakao – von der Ernte bis zur Schokolade

Am nächsten Morgen lernen wir von den Frauen des Dorfes, wie sie aus den Kakaopflanzen Schokolade herstellen. Wir dürfen die gerösteten Kakaobohnen klein hacken und durch einen Fleischwolf drehen, um eine Kakaomasse zu bekommen. Die Masse mischen wir dann mit Kondensmilch und zusammen mit frisch geernteten Bananen schmeckt sie einfach köstlich!

Doch dann ist leider Schluss mit dem Spaß. Mit Macheten, Säcken und Schaufeln bewaffnet, machen wir uns auf den Weg zur Kakaoplantage. Hier heißt es jetzt Kakaoschoten ernten, die guten Früchte auf einem Haufen sammeln, Löcher graben und die schlechten, mit Pilzen befallenen Schoten im Boden vergraben. Nach drei Stunden harter Arbeit haben wir einen riesigen Berg Kakaoschoten geerntet. Jetzt müssen wir die Schoten mit der Machete öffnen und die Kakaobohnen raus holen. In großen Säcken werden die nassen Bohnen dann gesammelt und zum Trocknen eingelagert, bevor sie schließlich geröstet werden. Mir tut alles weh und ich bin total kaputt. Die Kakaoernte ist ein ganz schöner Knochenjob.

Die totale Entschleunigung

Nach einer Stärkung und einem Bad im Fluss üben wir uns mit Pfeil und Bogen, bekommen eine Einführung in die Korbflechterei und auf dem Fußballplatz verlieren wir schließlich das nachmittägliche Match gegen die Bribri-Kinder nach einer 2:0 Führung mit 4:2.

Am Anfang hatte ich ja meine Bedenken gegenüber dem Aufenthalt bei den Bribris. Doch jetzt würde ich am liebsten noch länger hier bleiben. Das ist mal eine ganz andere Erfahrung, dieses Dorf mitten im Urwald, völlig ohne jeglichen Komfort, den wir sonst immer haben. Mit Gummistiefeln im Matsch laufen, nachts nur das Licht der Taschenlampe zu haben, diese unglaubliche Stille, die nur von den Geräuschen der Tiere durchbrochen wird. Als „die totale Entschleunigung“ hat unser Guide Alex den Ausflug zu den Bribri Indianern angekündigt. Obwohl wir ein ganz schön volles Programm hatten, kann ich dem nur zustimmen. Für die Seele ist es tatsächlich die totale Entschleunigung.

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